Konzertreihe St. Aurelius in Hirsau am 04.10.2026 um 19 Uhr
Wiebke Weidanz spielt am Cembalo „Die Goldbergvariationen BWV 988 von Johann Sebastian Bach“
Auch in diesem Jahr stehen Bachs Goldbergvariationen auf dem Hirsauer Konzertkalender – Wiebke Weidanz spielt den Variationen-Zyklus am 4 Oktober
Im Jahr 1741 rundete Johann Sebastian Bach seine vierteilige „Clavierübung“ mit einem groß angelegten Variationenwerk ab. Nach dem Ausflug zur Orgel im dritten Teil kehrte er hier wieder zu jenem Instrument zurück, das er schon im ersten und zweiten Teil mit einer Reihe absoluter Meisterwerke bedacht hatte, dem zweimanualigen Cembalo. Und weil diese Variationen der Überlieferung nach für den jungen Johann Gottlieb Goldberg komponiert wurden, damit dieser sie dem Grafen Keyserlingk während dessen schlaflosen Nächten vorspielen könne, gehen sie seitdem unter dem Namen „Goldberg-Variationen“ um die Welt. Wahrscheinlicher ist freilich, dass Bach das Werk in erster Linie für seinen geliebten ältesten Sohn Wilhelm Friedemann geschrieben hat, der ein hervorragender Virtuose und zudem der Lehrer des damals fünfzehnjährigen Goldberg war. Möglicherweise wollte sich der Meister aber mit diesem Werk auch selbst seinen Zeitgenossen als genialen Cembalisten ins Gedächtnis rufen.
In der Konzertreihe Sankt Aurelius in Hirsau steht dieses epochale Werk seit dem Bachjahr 1985 regelmäßig auf dem Konzertkalender, und die Liste seiner Interpretinnen und Interpreten liest sich wie ein „who is who“ der internationalen CembalistInnen-Szene. Auch Wiebke Weidanz, die für das Konzert am 4. Oktober um 19.00 Uhr als Hirsauer Goldberg-Interpretin dieses Jahres gewonnen werden konnte, gehört in den Kreis der weltweit herausragenden Solistinnen und Solisten auf historischen Tasteninstrumenten. Schon als 26jährige war sie Preisträgerin des renommierten internationalen Johann Sebastian Bach-Wettbewerbs Leipzig. Es folgten zahlreiche Rundfunk- und CD-Produktionen, und zahllose Konzerteinladungen führten sie zu internationalen Festivals in ganz Europa, nach New York, Japan und China. Als Solistin und Continuo-Spielerin war und ist sie regelmäßig bei den führenden Barockorchestern wie dem Freiburger Barockorchester, der Akademie für Alte Musik Berlin und Concerto Köln zu Gast. Seit etlichen Jahren arbeitet sie als Assistentin von René Jacobs bei internationalen Opernproduktionen in Berlin, Wien, Amsterdam, Brüssel und Aix-en-Provence, und seit dem Sommersemester 2014 lehrt Wiebe Weidanz als Professorin für Cembalo an der Musikhochschule Nürnberg, nachdem sie zuvor schon Lehrbeauftragte an den Musikhochschulen in Leipzig und Frankfurt war.
In einem extra zu ihrem Hirsauer Konzert verfassten Beitrag schildert die Interpretin ihre Gedanken, die ihr beim Üben und Spielen von Bachs Goldbergvariationen in den Sinn kommen. Sie gelten den herausfordernden und vielseitigen Alltagssituationen im Hause Johanns Sebastian Bachs, gleichen aber auch einer inneren musikalischen Reise durch eigene, ganz unterschiedliche Lebens- und Gefühlssituationen.
Am Ende schreibt Wiebke Weidanz von der großen Herausforderung dieses Werkes an alle Sinne – jene der oder des Ausführenden wie die der Zuhörenden – eine Herausforderung, die am Ende ihre Belohnung in intensiven Emotionen und großer Innerlichkeit findet.
Das Publikum des Konzerts am 4. Oktober ist ganz herzlich eingeladen, sich dieser Herausforderung zu stellen, die noch dadurch einen besonderen Reiz erhält, dass der Interpretin für ihr Hirsauer Konzert ein Cembalo aus der berühmten Werkstatt von Matthias Griewisch in Bammental bei Heidelberg zur Verfügung steht.
Zur Information: Das Konzert am 4. Oktober beginnt wie alle Konzerte der Konzertreihe Sankt Aurelius um 19.00 Uhr. Karten zum Preis von 20 € (Für Schüler und Studenten zu 10 €) gibt es ab 18.00 Uhr an der Abendkasse.
Peter Schlang

@ Foto: Harlad Hoffmann

