Konzertreihe Sankt Aurelius 2026 geht am 8. November um 19 Uhr mit Werken des Renaissance-Komponisten Caspar Othmayr zu Ende
Konzert mit den Countertenors Franz Vitzthum und des ihn begleitenden Dryades Consorts aus Basel
Gift und Gegengift im musikalische Gewand: Konzertreihe Sankt Aurelius 2026 geht am 8. November mit Werken des Renaissance-Komponisten Caspar Othmayr zu Ende
Zu ihrem letzten Konzert ihrer 50. Saison lädt die Konzertreihe Sankt Aurelius am Sonntag, 8. November um 19 Uhr in die Aureliuskirche in Hirsau ein. Dabei erklingt ein so erlesenes wie selten zu hörendes Programm mit Werken des heute zu Unrecht (fast) in Vergessenheit geratenen Caspar Othmayr. Dieser wurde am 12. März 1515 in Amberg geboren und starb – viel zu früh – am 4. Februar 1553 in Nürnberg. Dazwischen lagen das Studium der Theologie, das Othmayr 1536 (!) als Magister Artium beendete, das Rektorat der Klosterschule in der Schule des zumindest baulich von Hirsau geprägten Klosters Heilsbronn und das Amt des Probstes an St. Gumbert in Ansbach. Neben seiner Tätigkeit als Theologe und Seelsorger wirkte Caspar Othmayr als bedeutender Komponist, wobei besonders sein Liedschaffen zu erwähnen ist. Ja, nach Ludwig Senfl und Josquin Desprez führte der der zweiten Generation protestantischer Musiker angehörende Othmayr die mehrstimmige Liedkunst nochmals zu einem Höhepunkt und gilt als einer der größten Meister des Liedsatzes in der Lutherzeit. Schon in seiner ersten Motettensammlung „Epithaphium D. Martini Lutheri“, die 1546 in Luthers Todesjahr erschien, erwies er den Größen der Reformation seine Referenz. Darin vertonte er etwa Zitate von Martin Luther, Philipp Melanchthon und des Predigers Thomas Venatorius. Caspar Othmayr war vermutlich auch der erste Komponist, der für Luthers berühmtestes Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ einen mehrstimmigen Chorsatz schrieb.
Das Hirsauer Konzert des in Hirsau bestens bekannten Countertenors Franz Vitzthum und des ihn begleitenden Dryades Consorts aus Basel mit dem Titel „Gift und Gegengift“ widmet sich Othmayrs 1549 erschienener Komposition „Die wichtigsten Laster der menschlichen Natur“. Er beschreibt darin nicht nur acht Laster, also menschliche Problemseiten oder Untugenden, sondern stellt praktischerweise auch gleich deren Gegenmittel vor und zeigt damit, wie man sich von diesen Lastern befreien kann. Damit greift der Theologe und Komponist die aus der aristotelischen Philosophie stammende Idee auf, dass Bann und Überwindung der menschlichen Verführungen ein Weg zu einem guten Leben sein können. Das Laster beschreibt in dieser philosophischen Tradition ein „Zuviel“ einer bestimmten Eigenschaft, das zu einer seelischen Unausgeglichenheit führt. Es geht also um das Finden des richtigen Maßes in den wichtigen Dingen des Lebens, um die viel beschworene „goldene Mitte“. Das ist sicherlich ein Thema, das uns alle betrifft, egal, ob die Laster nun für charakterliche Unausgeglichenheit oder gar für Probleme einer Sucht stehen. Im modernen Sinn geht es also in den Motetten und Kantaten dieses Konzerts, manchmal ein wenig augenzwinkernd, um Selbstreflexion und Eigenverantwortung für ein gelingendes, ausgeglichenes und nachhaltiges Leben.
Mit dem Countertenor Franz Vitzthum kommt zum wiederholten Mal einer der bekanntesten und talentiertesten Countertenöre unserer Zeit nach Hirsau, der bei zahlreichen und berühmten Festivals wie dem Rheingau Musik Festival, den
Handel-Festspielen in Halle, Karlsruhe und Göttingen oder dem Bach Festival in Philadelpia gastiert. Dort und bei anderen Gelegenheiten arbeitete er u. a. mit den Dirigenten Hans-Christoph Rademann, Wolfgang Katschner, Vaclav Luks,
Hermann Max, Marcus Creed und Philippe Herreweghe zusammen.
Das erstmals in Hirsau zu hörende Dryades Consort, das seinen Namen von den Dryaden oder Amadryaden bezog, den Nymphen, die in der griechischen Mythologie
das Leben und Wesen eines Baumes versinnbildlichten, wurde im Jahr 2016 von der Gambistin Silvia Tecardi gegründet. Seine Mitglieder haben an der Schola Cantorum Basiliensis studiert und sich entweder dort oder später in der gemeinsamen Zusammenarbeit mit anderen Ensembles kennen- und schätzen gelernt. Sie bringen eine langjährige Konzerterfahrung in der Musik vom Mittelalter bis zum Barock mit, und es eint sie die Freude am musikalischen Austausch, an der Recherche fein abgestimmter und nuancierter Klangstufungen und am sanglichen Gestalten der musikalischen Bögen.
In Hirsau spielt das Dryades Consort – jeweils auf originalen Renaissance-Instrumenten oder auf Nachbauten – in der Besetzung Silvia Tecardi, Diskant- und Tenorgambe sowie Viola d’arco, Elizabeth Rumsey, Bassgambe und Viola d’arco, Giovanna Baviera, Bass- und Tenorgambe sowie Leonardo Bartolotto, Bassgambe.
Zur Information: Das Konzert am 8. November in der Aureliuskirche beginnt
um 19 Uhr. Karten zum Preis von 20 € (Schüler und Studierende zahlen 10 €) gibt es ab 18 Uhr an der Abendkasse.
Peter Schlang

Foto: @ Bjoern Wamser

Foto: @ Helge Navrot

